Blog
An der Zeit PDF  | Drucken |  E-Mail
Donnerstag, den 14. Mai 2009 um 01:00 Uhr
Hier ein kleiner Beitrag, den ich ursprünglich zum Jahreswechsel 2008/2009 im Hinblick auf die anstehende Weltmeisterschafts-Saison geschrieben hatte - allerdings seiner Zeit aus gegebenem Anlass und der thematischen Nähe von mir zurückgestellt wurde . Die guten Zeiten im Training und im ersten Wettkampf der Sommersaison erinnerten mich daran, dass dieser Beitrag bisher leider unpubliziert geblieben ist... 
 
 
An der Zeit - Illustration Norman PalmMit dem Jahreswechsel begann für mich nicht nur ein spannendes Jahr mit Leichtathletik Weltmeisterschaften in der eigenen Stadt sondern auch ein neues Lebensjahr. Genau genommen wurde ich zwar noch am 31.12.2008 ein Jahr älter, aber das soll nicht Gegenstand der Betrachtung sein. Viel mehr soll es um eine allgemeine und persönliche Betrachtung von Zeit und Alter gehen.

Im Lauf dreht sich alles um Zeiten. Alles wird an der Zeit gemessen. Runden, Normen, Bestleistungen, Rekorde. Für alle Leistungen im Lauf gibt es den einen vergleichbaren Maßstab. Aber wie steht es mit dem Alter - der Angabe über Jahre, Tage, Minuten und Sekunden eines Athleten?

In der Leichtathletik und insbesondere im Sprint- und Laufbereich wird immer wieder versucht, eine allgemein gültige Richtlinie zu definieren, welches Alter für welche Strecke ideal sei. Viel wird darüber gemutmaßt, in welchem Alter die meisten Rekorde auf welcher Strecke aufgestellt werden. Einige grobe allgemeine Richtlinien lassen sich aus sportmedizinischer Sicht ableiten. Einzelne Beispiele wie Merlene Ottey, die mit 44 Jahren das Halbfinale der Olympischen Spiele über 100m erreichte und knapp das Finale verpasste zeigen allerdings, dass die eine allgemein gültige Richtlinie sicherlich nicht existiert.

Es geht meiner Meinung nach vielmehr um die Betrachtung des persönlichen Alters eines Athleten beziehungsweise einer Athletin - aber was genau ist das persönliche Alter?

In die Einzelfallbetrachtung fließen sicherlich unterschiedlichste Sachverhalte ein. Wie lange trainiert der Athlet bereits? Welche Trainings- und Wettkampfbelastungen hat der Athlet bereits erfahren? Wie verläuft die Entwicklung der Leistung über die Jahre? Wie groß ist die Motivation? Kann sich der Athlet maximal belasten? Spielt die Gesundheit mit?

Schnell wird man feststellen, dass eine nicht enden wollende Anzahl an Faktoren die Sicht auf die Dinge vernebelt. Wie wichtig ist welcher Einzelfaktor? Ist auch alles berücksichtigt? Hinzu kommt, dass es in den meisten Fällen um die Betrachtung der eigenen Leistungsfähigkeit und der eigenen Leistungsreserven geht und die Gefühlslage die neutrale Betrachtung erschwert. Plötzlich ist alles nicht mehr genau messbar. Scheinbar klare Indizes wie Laktatwerte und Pulsfrequenzen verblassen vor der eigenen Hoffnung auf den nächsten Leistungssprung.

Vor einigen Jahren, noch bevor ich mich dazu entschloss, den Laufsport professionell auszuüben, haderte ich mit eben solchen Gedanken. Meine Zeiten stagnierten etwas. Die Schul- und Unibelastungen trübten das Bild auf das wirkliche Leistungsvermögen. Alles schien in der Betrachtung plötzlich Kraft und Potential zu rauben. Mit 27 hörte ich von vielen Seiten, sei das beste Alter für einen Mittelstreckenläufer - eine wirkliche Begründung für die These gab es nicht.

Aus heutiger Sicht müsste die Behauptung des Leistungszenits im Alter von 27 Jahren mich zu der Erkenntnis führen, die größten Ereignisse und die besten Ergebnisse bereits hinter mir zu haben. Mit nun 28 Jahren habe ich über die 1500m Distanz nichts mehr zu erwarten? Halbfinale der Olympischen Spiele - das wars! Der mir so häufig geratene Wechsel auf die Langstrecke sollte der einzig logische Schritt sein...

Sicherlich entwickeln sich meine Zeiten und Platzierungen über die längeren Strecken im Moment recht gut - Streckenrekord beim SCC Cross über 10km - 4. Platz beim Silvesterlauf in Trier über 8km. Einen Rückschluß auf einen baldigen Rückgang des Leistungsvermögens über die Mitteldistanzstrecken kann damit allerdings nicht abgeleitet werden.

Im Gespräch mit Athleten aus der eigenen Laufgruppe entwickelt sich bei mir momentan ein etwas anderes Bild. Auch dieses ist sicherlich zum Teil genährt von der Hoffnung auf die nächste Leistungsexplosion - aber ebenfalls von vielen einzelnen Beobachtungen im Trainingsalltag.

Ich bin immer noch hungrig auf die 1500m, ich glaube an eine deutliche Leistungssteigerung in dieser Saison. Konkrete Zeiten und Platzierungen habe ich im Blick. Ich kann es kaum abwarten, bis die Saison richtig los geht. Es ist an der Zeit richtig schnell zu laufen. Ich bin im richtigen Alter.

Danke für Ihr Intresse, Carsten
 
Vorzeichen PDF  | Drucken |  E-Mail
Dienstag, den 10. März 2009 um 01:00 Uhr

Zu meiner Anreise nach Turin hatte ich wie gewöhnlich meine Thermoskanne mitgenommen. Im Post-9/11-Zeitalter mußte ich diese vor dem Abflug vom Flughafen Tegel austrinken. Die Kanne war gut gefüllt und so verging einige Zeit vor dem Sicherheits-Schalter. Ich betrachtete die Lackschäden, die die Kanne seit den Deutschen Meisterschaften in Leipzig aufwies. Aus der silbrig glänzenden Absplitterung entwickelte sich wie bei der Betrachtung eines Tintenflecks in meinem Kopf ein Bild. Die Umrisse zeichneten die italienische Halbinsel nach. Dem Stiefel fehlte allein die Insel Sizilien. Ansonsten war der Umriss exakt.

Italienische Halbinsel

Ich bin eigentlich nicht abergläubisch und glaube für gewöhnlich nicht an derartige Zeichen - dieses exakte Bild der italienischen Halbinsel stimmte mich allerdings positiv.

Die Anreise nach Turin und die direkte Blutabnahme bei Ankunft im Hotel trübten relativ schnell das Bild vom perfekten Wettkampfwochenende. Zimmerkollege Wolfram Müller und ich wurden noch vor dem Mittagessen im Hotel abgeführt. Nach der Prozedur war die Küche geschlossen und es standen nur noch einige trockene Sandwiches bereit.

In den ersten Tagen in Turin hatte ich bei den lockeren Dauerläufen gemeinsam mit Wolfram Müller kein wirklich lockeres Laufgefühl. Alles war irgendwie zäh. Hatte ich mich mit der Anzahl und Dichte der Reisen übernommen? Noch am Montagabend war ich aus Lanzarote von einem semispezifischen Trainingslager nach Berlin gereist - am Mittwoch in der Frühe ging es dann weiter nach Turin.

Am Samstag starte ich im zweiten Vorlauf über 1500m. Nach dem Start fand ich mich direkt in der Führungsposition; der Niederländer Bas Eefting hatte mir die Innenbahn freigehalten. Ich hatte das ganze Feld hinter mir und kümmerte mich fortan allein um das Tempo. Wolfram Müller hatte im ersten Vorlauf das Tempo schnell gestaltet und sehr viele Läufer waren bei etwa 3:41min ins Ziel gelaufen.

Ich fühlte mich während des Rennens nicht so frisch, wie noch bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig vor zwei Wochen. Allein konnte ich das Tempo nicht ausreichend schnell gestalten. Niemand aus dem Feld unterstützte mich in meiner Führungsarbeit.

Wir passierten die 1200m in etwa 3:00min. Zu langsam für eine Zeit um 3:40min. Eine kleine Gruppe von drei Läufern passierte mich. Ich konnte zwar den Anschluß halten. Allerdings gelang es mir nicht, auf der Zielgeraden noch einen der Läufer zu überspurten. Ich schied als vierter knapp aus.

Ich war enttäuscht, dass ich nach so langer Tempoarbeit nicht für meinen Einsatz belohnt wurde. Erneut war ich knapp am Finale einer internationalen Meisterschaft vorbeigeschrammt.

Zurück im Hotel betrachtete ich meine Thermoskanne erneut. Ich verglich die Absplitterung im Lack der Kanne mit der Zeichnung der italienischen Halbinsel in einer Hotelbrochure. Die Absplitterung war zwar relativ präzise, aber es fehlte die Region Piemont.

Cross am Wochenende

Auf meinem Rückweg nach Berlin wollte ich noch beim Wirtschaftsbankett der Sportstiftung Emsland vorbeischauen. Dazu hatte ich einen Flug nach Düsseldorf gebucht. In das Bild des Wochenende passte, dass der Flug aus Turin verspätet startete. Ich konnte meinen Anschlußflieger von München nach Düsseldorf nicht mehr errreichen. Eine Umbuchung nach Berlin war mit der Lufthansa kein Problem - an dieser Stelle ein großes Lob an den offiziellen Sponsor des DLV.

Das nächste Zeichen

Als ich in den Flieger nach Berlin stieg wies mich ein mitgereister Journalist auf das nächste Zeichen hin. Der Name des Fliegers der Lufthansa: INGOLSTADT. Soll ich nun anfangen zu vertrauen.

Carsten

 
Doppelte Auswahl PDF  | Drucken |  E-Mail
Samstag, den 27. Dezember 2008 um 21:07 Uhr

Doppelte Auswahl - Eine Grafik von Norman Palm zum Blogbeitrag von Carsten Schlangen

Überraschen wird diese Nachricht den sachkundigen Sportbeobachter sicherlich nicht. Zum Ende des Jahres stehen Wahlen zum Sportler des Jahres an. Soweit nichts Neues. Überraschend ist sicherlich, dass ich nicht nur auf Berliner Territorium als BLV Leichtathlet des Jahres zur Wahl stehe, sondern auch bundesweit auf Leichtathletik.de. Diese Ehre möchte ich natürlich nicht unkommentiert lassen.

Vor einigen Jahren machte ich zum Ersten Mal Erfahrungen mit einer Wahl zum Sportler des Jahres - damals musste ich etwas enttäuscht feststellen, dass der Motorsport mehr Menschen bewegt, als die klassische Leichtathletik. Ich bin daher etwas vorsichtiger mit der Bewertung des Ausgangs solcher Wahlen geworden. Ich habe mir damals vorgenommen für Wahlen nicht mehr aktiv zu werben, selbst keinen Stimmzettel abzugeben und auch sonst meine Kraft lieber auf mein Training zu fokussieren.

In diesem Fall handelt es sich allerdings um reine Leichtathletik-Wahlen. Auch wenn die Unterschiede der Disziplinen innerhalb der Leichtathletik gewiss groß sind, so ist doch zu erwarten, dass die Jahresleistungen vom Leichtathletik-Fachpublikum gut eingeschätzt werden können.

Für mich steht im Vordergrund, dass ich überhaupt für die Wahlen aufgestellt wurde. Es ist eine große Anerkennung für die Anstrengungen der Saison. Vor Allem freue ich mich über erstklassige "Gegner" bzw. Mitnominierte wie etwa über Diskusfreund Robert Harting.

Der Ausgang der Wahl wird für mich persönlich keine Veränderung mit sich bringen. Solange auf der Bahn die Reihenfolge anders herum ist als bei den bisherigen Wahlen zum Sportler/Athlet des Jahres ist alles gut.

Ich wurde zwei Mal jeweils Letzter.

Carsten

 
Olympic Architecture - Das Architekturbuch zur Olympiade PDF  | Drucken |  E-Mail
Donnerstag, den 23. Oktober 2008 um 22:50 Uhr

Olympic Architecture - Eine Illustration von Norman Palm zum Blog von Carsten SchlangenLange bevor ich darüber nachdachte, den Laufsport etwas ernsthafter zu betreiben und aus meinem Hobby etwas mehr zu machen, begann ich eher beiläufig, mich mit den Olympischen Spielen in Peking zu beschäftigen.

Es war im Dezember 2004. Die letzte Olympiade in Athen war gerade vorüber. Ich studierte zu dieser Zeit für ein Jahr in Helsinki. Aus dem Nichts tauchte plötzlich dieses unglaubliche Rendering auf (Ein Rendering ist eine 3D-Computer-Visualisierung) . Kaum ein Architekturstudent konnte sich seinem Bann entziehen. Es war ein Rendering des schweizer Architekturbüros Herzog&deMeuron, das ein großartiges Stadion zeigte.

Etwa drei Jahre später stand ich im August 2008 am Schalter der Lufthansa in Frankfurt und betrachtete dieses Rendering erneut. Es hatte sich in der Zwischenzeit viel verändert. Aus der Visualisierung war gebaute Realität geworden und aus dem Architekturstudenten vorübergehend ein Profisportler.

Ich war umringt von Deutschen Leichtathleten, die sich ebenfalls das Rendering in dem Buch Olympic Architecture Beijing 2008 ansahen. Mit jeder Seite, die ich umblätterte, wurden die Augen der Athleten größer. Die Vorfreude auf das Kommende stieg.

Im Laufe der Olympiade wurde das Buch immer wieder herumgereicht und die Seiten mit den Bildern des Nationalstadions aufgeschlagen. Ich möchte das Buch, das mir selbst sehr gut gefallen hat im Peking Spezial kurz vorstellen.

Rezension


Die englischsprachig gehaltene Dokumentation beschreibt sämtliche Wettkampfstätten der 29. Olympischen Spiele. Die Dokumentation unterteilt die Gebäude nach Neu-, Um- und Temporärbauten. Der Vorstellung voran geht eine Einführung zu den grundsätzlichen Entwurfsgedanken der Olympischen Spiele in Peking.

Dieser systematische Aufbau bringt mit sich, dass das Buch auf den ersten Seiten natürlich unglaublich spannend zu lesen ist, zum Ende dafür leider etwas an Kraft verliert. Die großen Entwürfe wie etwa das 'Nationalstadion' oder der 'Watercube' sind naturgemäß als Neubauten im vorderen Teil zu finden.

Das Buch wurde vom Birkhäuser Verlag in Kooperation mit dem Beijing Institute of Architectural Design erstellt und ist die einzige offizielle Dokumentation der Bauten der Olympischen Spiele.

Die Zusammenarbeit scheint gewisse Pflichten mit sich zu bringen. So werden einige negative Begleiterscheinungen der Planungen in Peking ausgeblendet. Zwangsumsiedlungen im Zuge der Spiele oder die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter werden nicht oder nur am Rande angesprochen.

Insgesamt sind die einzeln vorgestellten Bauprojekte umfangreich bebildert. Zu den Bildern gesellen sich auch immer wieder Originalrenderings der Architekturbüros aus der Wettbewerbsphase.

Die Renderings geben dem Betrachter die Möglichkeit, die Planungen mit der späteren Ausführung zu vergleichen und sich selbst ein Bild davon zu verschaffen, wo die Planungen mit dem später Gebauten übereinstimmen. Insgesamt ergibt sich so das überraschend erfreuliche Bild, dass die Architekturen der häufig nicht chinesischen Architekten in China sehr viel genauer umgesetzt wurden, als dies zum Teil in anderen Regionen der Welt üblich ist. China selbst ist in Architekturkreisen durchaus auch dafür bekannt, Entwürfe westlicher Architekten in Eigenregie fortzuführen und die Architekten dafür nicht einmal zu entlohnen. Der Rahmen der Olympischen Spiele scheint hier einen anderen Wind in die üblichen Vorgänge gebracht zu haben.

Aus Sicht der Architektur können die Spiele von Peking als Errungenschaft gefeiert werden. Kühne Architekturen wurden realisiert. Noch vor Jahren für unbaubar gehaltene Strukturen wurden mit Leichtigkeit umgesetzt. Ein Kostenlimit scheint für die prestigeprächtigen Bauten kaum existiert zu haben. Ich denke da in allererster Linie natürlich an das Vogelnest.

Insgesamt finden sich in der umfangreichen Dokumentation leider wenige Detailzeichnungen, die für Architekten oder allgemein Architektur-Interessierte eine schöne zusätzliche Information dargestellt hätten. Vermutlich sahen sich die Autoren in dem Konflikt eine umfassende Dokumentation nicht noch zusätzlich mit vielen Detailzeichnungen aufzublasen. Diese Auslassung ist daher insgesamt verständlich.

In anderen Zeichnungen wie etwa Grundrissen und Schnitten werden zum Teil Farbcodierungen verwendet, die in keiner erklärenden Legende auftauchen. Es drängt sich leider die Vermutung auf, dass die originalen Planzeichnungen reinkopiert wurden, ohne Anpassung an das Buch.

Die Einführung über die Grundsätze der Planungen, die dem Katalog der Bauten vorangestellt ist ist sehr gelungen. So war mir persönlich überhaupt nicht bewußt, wie grundlegend die Bauprojekte der Olympiade mit Konzepten der Nachnutzung geplant wurden. Oder wie tiefgreifend versucht wurde, die wild wuchernde Stadt Peking verkehrstechnisch funktionaler zu gestalten.

Vor den persönlichen Erlebnissen in Peking fand ich etwas schade, dass im Buch keine Vorstellung der Planung des Olympischen Dorfes vorkommt. Die Planungen schienen bis zur Olympiade geheim zu sein, zu geheim, um sie in einer offiziellen Dokumentation der Welt vorzustellen.

Nach der Heimkehr und den Erlebnissen in der Mini-Welt des Olympischen Dorfes denke ich etwas anders. Diese Auslassung ist für mich ein sehr positives Signal an die Sportwelt:

Hier im Olympischen Dorf seid ihr unter Euch und das gönnen wir Euch!

Carsten

Das Buch kann zum Beispiel bei Amazon.de gekauft werden

 
Blogging erlaubt PDF  | Drucken |  E-Mail
Donnerstag, den 07. August 2008 um 14:25 Uhr

Olympia Blogging - Eine Zeichnung von Norman Palm zum Beitrag von Carsten SchlangenIm Kreis der deutschen Olympiateilnehmer hat es in der letzten Zeit viel Unmut über einen Passus der DOSB Athletenvereinbarung gegeben. Die von Vielen arglos unterzeichnete Vereinbarung enthielt entgegen den offiziellen IOC Bestimmungen (IOC Blogging Guidelines) ein Verbot, auf der eigenen Internetseite zu bloggen. Begründet wurde dieses Verbot mit der IOC-Regel 49, die dem Sportler jegliche Journalistische Tätigkeit zum Zeitraum der Spiele untersagt.

Mir war der Widerspruch der DOSB Athletenvereinbarung vor einigen Wochen aufgefallen und sauer aufgestoßen, hatte ich mir doch vorgenommen auf meiner Internetseite hin und wieder einen persönlichen Eindruck aus Peking zu geben. Ich hatte auch gegenüber der Presse erklärt, dass hier ein deutlicher Widerspruch vorhanden ist, um etwas Bewegung in die Sache zu bringen. Ich fühlte mich in meiner Freiheit der Meinungsäußerung beschnitten.

Vermutlich stammt der Passus in der Athletenvereinbarung noch aus dem Jahr 2004, in dem der Kugelstoßer Peter Sack aus eben diesem Grund Athen frühzeitig verlassen musste. Entweder hat der DOSB vergessen, diese zu streichen; oder aber wissentlich hingenommen, dass dieser Widerspruch besteht, in der Hoffnung, im Ernstfall Druck auf Athleten ausüben zu können, die durch ihre Blogs unangenehm sind.

Wie auch immer – kurz vor Beginn der Spiele hat der Druck der Presse gewirkt. Der DOSB hat sich von seiner selbst aufgelegten Beschränkung nun verabschiedet. In eng gestecktem Rahmen (IOC Blogging Guidelines) dürfen nun persönliche Eindrücke von den Spielen auf Seiten deutscher Sportler veröffentlicht werden. Verboten sind nach wie vor Interviews mit einem Akkreditierten sowie eine Story über ihn. Verboten sind Töne, laufende Bilder oder Fotografien aus jenen Bereichen, die nur für Akkreditierte zugänglich sind. Ein persönliches Foto ist nur dann gestattet, wenn es nicht im Zusammenhang mit einem olympischen Wettkampf, Eröffnungs- und Schlussfeier und einer Medaillenzeremonie steht. Ich denke, daran kann ich mich gerade so noch halten.

Ich begrüße diese “Entscheidung“ des DOSB und freue mich, Euch von den Spiele berichten zu dürfen.

Carsten

 
Just a test PDF  | Drucken |  E-Mail
Dienstag, den 05. August 2008 um 13:12 Uhr
Ein ungewollter Formtest, der plötzlich so wichtig wurde.

Just a test - Ein Blogbeitrag von Carsten SchlangenAm Freitag dieser Woche war ich zu Gast bei der DLV GALA in Wattenscheid. Der 1500m Lauf sollte ein letzter Formtest für die Olympischen Spiele in Peking sein.

Eigentlich bin ich kein großer Freund der immerwährenden Formüberprüfung. Zum großen Teil enden solche Unternehmungen in der Erkenntnis, dass etwas zu viel überprüft wurde und häufig hört man dann Sätze wie: „Aber letzte Woche ging's doch noch!?“ Die offizielle Verabschiedungsveranstaltung des DLV in Wattenscheid ist ein solcher Wettkampf, bei dem es immer auch ein Stück weit darum geht, die Form der Athleten vor dem internationalen Höhepunkt der Saison zu überprüfen und gegebenenfalls auch noch „Korrekturen“ in der Mannschaftsaufstellung vorzunehmen.

Es ist schwierig zu erklären, warum eine solche Unternehmung gerade im Laufbereich häufig zu mehr Schaden als Nutzen führt; ich möchte es dennoch nicht unversucht lassen, meinen generellen Standpunkt darzulegen.

In der Freiluftsaison ist ein jeder Läufer bestrebt, die Anzahl der harten Läufe in einem eng gesteckten Rahmen zu belassen. Häufig führt Vielstarterei zu dem Ergebnis, dass die Belastungen für den Körper zu hoch sind; Verletzungen und Unfitness sind häufige Folgen. Einem guten Wettkampf sollte in der Regel eine kurze Erholungsphase folgen sowie einer anschließenden Aufbau- bzw. Trainingsphase für den nächsten Wettkampf.

Der DOSB verlangt in diesem Jahr die zweimalige Normerfüllung über 1500m. Die geforderten Zeiten waren schneller, als die besten Zeiten Deutscher Mittelstreckler in den letzten vier Jahren. Ich frage mich an der Stelle, wieso einer zweimaligen Erfüllung der Norm, unter Anderem mit der 11. schnellsten Zeit, die je ein Deutsche lief, dann auch noch ein weiterer Wettkampf mit internationaler Konkurrenz folgen muss.

Einige wenige Tage vor der Abreise zum internationalen Höhepunkt bekommen die wenigen deutschen Topathleten in der Regel recht viele Anfragen von der Presse, die zum Teil den Trainingsalltag durcheinander bringen, weil weniger Zeit für die Erholung bleibt. Genau in dieser kritischen Phase soll auch noch eine weitere Formüberprüfung stattfinden?

Ich konnte bislang wenig Verständnis für derartige Maßnahmen entwickeln – das sollte sich jedoch mit meinem Start von gestern etwas ändern.

Vor einigen Wochen konnte ich das 1500m Finale der Deutschen Meisterschaften nicht bestreiten, ich bekam in der Nacht zum Finale einen heftigen Magen-Darm-Infekt. Ein Start war unmöglich. Nach dem zurückliegenden Trainingslager in Königs Wusterhausen und einem gelungenen ersten Test über 1000m bei den Deutschen Staffelmeisterschaften bot sich also nun die Gelegenheit nach etwa einem Monat ohne 1500m Lauf noch einmal Selbstsicherheit zu tanken. So sollte es kommen.

Im Rennen fühlte ich mich etwas müde von den vielen Belastungen aus dem Trainingslager, aber gleichzeitig merkte ich mit jedem Meter, dem ich dem Ziel näher kam, dass ich in guter Verfassung bin. Etwa 300m vor dem Ziel begann das Feld zu sprinten. Zunächst kam ich am Kenianer Bernard Kiptum nicht vorbei und musste mich in der Kurve zur Zielgeraden noch einmal auf Position Zwei einreihen. Auf der Zielgeraden kam dann die Gewissheit, dass meinem Antritt niemand folgen konnte. Der Kenianer Kiptum stand förmlich; nur noch Stefan Eberhardt konnte an Position Zwei mit leichtem Abstand folgen. Stefan Eberhardt stellte eine persönliche Bestleistung auf. Für ihn ist das Rennen in Wattenscheid mit Sicherheit sehr wertvoll gewesen.

Meine Siegerzeit von 3:37:05min ist die viertbeste Leistung meines Lebens und somit kann ich sehr optimistisch in den olympischen Vorlauf gehen. Vielleicht reicht es auch für den Finaleinzug. Ich hatte sogar noch etwas Reserven. Das alles wurde mir auf den wenigen Metern der Zielgeraden klar.

Ich muß also abschließend feststellen, dass der Pflichttest für mich eine Bereicherung war. Manchmal sollte man Hürden, die einem in den Weg gestellt werden auch als Chance sehen. Das ist nicht nur im Sport so.

Danke fürs Lesen, Carsten 

 
Steine auf dem Weg nach Peking PDF  | Drucken |  E-Mail
Donnerstag, den 12. Juni 2008 um 10:29 Uhr

Am Mittwoch letzter Woche bin ich beim German Meeting in Cottbus gestartet. Ich konnte leider die zweite geforderte Olympianorm des DLV über 1500m knapp nicht erreichen. Mit meiner Endzeit von 3:37:79min konnte ich den Lauf gegen internationale Konkurrenz klar gewinnen und gleichzeitig die drittbeste Leistung meines Lebens abrufen.

Steine auf dem Weg nach Peking - Ein Blogbeitrag von Carsten Schlangen Bild:Norman Palm Trotz der hohen Leistung kann ich mit dem Rennen in Cottbus nicht zufrieden sein. Ein weiteres Rennen liegt nun hinter mir und damit eine vertane Chance. Dabei ist es besonders ärgerlich, dass ich Gestern während des Rennens klar das Gefühl hatte, die Olympianorm drauf zu haben. Der Rennverlauf und das Starterfeld ließen die geforderte Zeit nicht zu.

Ich bin schon verärgert, dass ein großer Teil der angekündigten ausländischen Starter einen Tag vor dem Wettkampf ihren Start abgesagt hatten. Dabei waren es gerade die Läufer, die prinzipiell das Rennen gegen mich hätten gewinnen können und schnelle Jahresbestzeiten haben.

Mir war bereits vor dem Rennen klar, dass ich auf den letzten Metern auf mich allein gestellt sein würde, denn leider fehlte auch die nationale Konkurrenz um Wolfram Müller und Teamkamerad Franek Haschke krankheitsbedingt.

Vom Kopf her war ich bereit, diese Herausforderung anzugehen. Ich wägte mich allerdings in der Sicherheit, dass zumindest der Tempomacher seine Arbeit richtig machen würde und ich im Vertrauen auf diese einfach hinter ihm bis 1200m rennen könne, um dann richtig aufzudrehen. Es sollte leider alles anders kommen... 

Weiterlesen...
 
<< Start < Zurück 1 2 3 Weiter > Ende >>

Seite 1 von 3