Trainingslager am Polarkreis – Skifahrt im Mondschein

 
Mittelstrecken-Ass Carsten Schlangen berichtet vom alternativen Ski-Trainingslager in Lappland – 7. Teil.

Halb zugefrorener Bach Kuontivaara Runde
Ein halb zugefrorener Bach auf der Kuontivaara Runde.

Bericht 7. Skitag

Trainingseinheiten:

Morgens-Mittags: 18 km Runde im Skatingstil – neue Route
Nachmittags: 1-2 Stunden Skilaufen – je nach Verfassung
Abends: 20 min lockerer Dauerlauf

Essen:
Mittags: belegte Brote
Abends: Kartoffelbrei mit angebratenen Wurststücken sowie Pasta mit Sahnesoße (Resteessen)

Die vielen positiven Erfahrungen auf der ungespurten Loipe gestern haben uns dazu ermuntert, heute eine weitere, uns noch unbekannte Runde auszuprobieren. Insgesamt stellte sich heraus, dass die Runde sehr flach und damit beinahe langweilig war, wenn nicht immer wieder die ein oder andere natürliche Besonderheit auf uns gewartet hätte.

Wir zogen vorbei an zugefrorenen Seen und halb zugefrorenen Bächen. Immer wieder lichtete sich der Wald um den Blick frei zu geben auf große gerodete Flächen. Hier in Lappland wird die Forstwirschaft im Kahlschlag-Verfahren betrieben. Anders als in Deutschland werden häufig große Flächen komplett gerodet – kein einziger Baum bleibt stehen. Nach dem Kahlschlag werden neue Bäume gesetzt. Der Ertrag für die Papier- und Holzindustrie, die in Finnland ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig ist, wird durch den gleichmäßigen Wuchs der Bäume deutlich erhöht.

Im Gegensatz zu Deutschland befindet sich ein Großteil des finnischen Waldes im Besitz weniger großer Unternehmer. Wenn Sie einmal die Gelegenheit haben sollten, die lappische Taiga in Laufschuhen oder auf Skiern zu erkunden, dann sollte ihnen allzeit bewußt sein, dass die Landschaft nicht urwüchsig ist sondern im hohen Maße vom Menschen "gestaltet".

Anders stellt sich die Situation in den Naturparks dar. Hier finden sich sehr unterschiedlich alte Bäume und ein lichterer Mix mit Krüppelbirken oder rottenden, querliegenden Bäumen.

 


Richtig geärgert haben wir uns auf der Runde über die Ruhestörung durch vorbeiknatternde Schneemobile. Jetzt, wo es auf Weihnachten zugeht, kommen immer mehr Finnen nach Ruka. Viele scheinen sich richtig nach der motorisierten Gewaltherrschaft über die Natur zu sehnen. Jedenfalls tauchen immer wieder Horden von knatternden Ungetümen aus dem Wald auf und hinterlassen minutenlang spürbar ihre Verbrennungsrückstände in der sonst so sauberen Luft Lapplands. Wir fragen uns, ob eine solche Hochgeschwindigkeitsfahrt durch den finnischen Wald wirklich so viel Spaß machen kann. Jedenfalls sollte es auf dem Schneemobil recht schnell sehr kalt werden, laut ist es garantiert und wenn man gar noch am Ende der knatternden Schlage fährt, dann kann man nach der Fahrt gleich die Kleidung tauschen.

Am Vorabend hatte Carsten Schlangen bereits bei einbrechender Dunkelheit einen Versuch unternommen, die heutige Skirunde zu erkunden. Er mußte aber nach einigen Kilometern umkehren, da er keine verlässlichen Wegweiser mit Kartenmaterial mehr vorgefunden hatte. Heute sollte alles klappen – wir fanden mühelos den Weg, weil Carsten Schlangen nach dem Misserfolg von gestern die Skikarten photographiert hatte und wir so an jeder Stelle schauen konnten, ob wir uns noch auf der Runde befanden.

Hier möchten wir Ihnen einen wertvollen Tipp mit auf den Weg geben. Sie müssen nicht zwangsläufig teures Kartenmaterial kaufen. Häufig reicht es auch, wenn Sie sich am Loipeneinstiegspunkt die Karte kurz photographieren. So können Sie später selbst in der Dunkelheit einen prüfenden Blick auf das Display ihrer Digitalkamera werfen.

Mondschein über zugefrorenem See in Ruka (Finnland)
Mondschein auf finnischen See.

Bericht von Carsten Schlangens Nachtfahrt 

Am letzten Abend einer jeden Reise überkommt mich immer das Bedürfnis nachzuprüfen, ob ich vor Ort alles gesehen habe, was ich mir zu Anfang der Reise vorgenommen habe. Dabei fiel mir auf, daß ich immer noch nicht die große Runde über die Seen im Norden von Ruka gefahren war. Diese war genau so wie die Route von heute Vormittag offiziell nicht eröffnet, aber die Hoffnung war groß, daß diese nun ebenso befahrbar sei.

Ich sollte mich irren.

Natürlich waren die Seen nach der langen Kälteperiode befahrbar, aber vom letzten See führte keine Loipe wieder hinauf in den Wald. "Egal", sagte ich mir. Selbst wenn der Waldweg für fünf Kilometer so sein sollte, dann wäre das für eine aktive Skiwanderung im klassischen Stil immer noch in Ordnung.

Ich folgte also einer alten Schneemobilspur, die sich nun das erste Mal als hilfreich erweisen sollte. Ich folgte der Spur etwa vier Kilometer und hoffte immer noch, dass sie mir den Weg für die komplette Runde zeigen würde. Plötzlich endete die Spur an einer Holzhütte an einem der vielen Seen. Ich versuchte erneut, den Waldweg zu finden. Als ich das zweite Mal mit dem linken Ski in einen Bach einbrach mußte ich erkennen, dass ich diese letzte verbleibende Route auf den Skikarten in Ruka nicht mehr ganz fahren konnte. Ich mußte umkehren, der Weg führte nicht weiter.

Auf dem Rückweg entlohnte mich allerdings der helle Mond, der die Seen in der Dunkelheit gut befahrbar machte und den kalten Schnee in ein glitzerndes, silber-graues Meer verwandelte.

Zum Schluß möchte ich an dieser Stelle noch einen Tipp weitergeben. Sollten Sie sich selbst einmal auf eine solche Skiwanderung durch ungespurtes Terrain begeben, ist es empfehlenswert, keine Wettkampf-Skilanglaufausrüstung mitzunehmen, da diese für Beschädigungen recht anfällig sein können.

Nordlichter in Kuusamo
Nordlicher, von Carsten Schlangen mit der Kamera festgehalten.

Zum Bericht auf Runner's World  


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